„Es sind nicht die Betroffenen…

06.03.2015 – … die um Hilfe bitten!“

2015_03_06INTERVIEW Die Vorstandsmitglieder Heike Anders, Günther Klärner und Heidelore Wehner zu den Grundsätzen, Zielen und der weiteren Zukunft von „Wir helfen“

USINGEN – (anr). Der Usinger Hilfsverein „Wir helfen“ feiert am Freitag, 13. März, in der Mensa der Christian-Wirth-Schule mit einer akademischen Feier sein 25 jähriges Bestehen (siehe oben stehenden Bericht). Im Gespräch mit dem Usinger Anzeiger gaben die Vorsitzende Heike Anders, der zweite Vorsitzender Günther Klärner und Kassenwartin Heidelore Wehner einen Einblick in die Arbeit des Vereins, seine Grundsätze und Erlebnisse aus 25 Jahren.

Was sind die wichtigsten Grundsätze von „Wir helfen“?

Wehner: Die meisten unserer Spenden sind Sachspenden, die wir hier vor Ort in der Region an Bedürftige leisten, welche die Hilfe von keinem anderen Kostenträger erhalten würden. Durch eine genaue Einzelfallprüfung stellen wir sicher, dass die Hilfe sinnvoll und zweckmäßig ankommt. Das wissen unsere Gönner seit 25 Jahren und bringt laufende Spendenbereitschaft.

Wir schauen mit Einfühlungsvermögen „hinter die Kulissen“ und konnten uns im Verlauf der beiden letzten Jahrzehnte immer besser vernetzen. So hat der Verein für den Aufbau des Kinderpalliativ-Projektes insgesamt 186 000 Euro zur Verfügung stellen können und wir werden das weiter begleiten. Es gibt immer mehr Einrichtungen, die uns ansprechen. Wir sind auch vermittelnd tätig, damit Sponsoren direkte Hilfe leisten. Hauptsache es dient der Sache. Die Menschen versichern uns immer wieder, wie wichtig es ihnen ist, dass die Hilfe in der Region bleibt und man sehen kann, dass sie ankommt.“

Wie sieht die Zukunft aus?

Wehner: Unsere Zukunft liegt darin, dass wir das Vergangene fortsetzen. Unsere Werte bleiben und wir müssen sie weiter erhalten. Die Gewissheit besteht, dass sich der ehrenamtliche Einsatz lohnt. Sicher haben wir eine hohe Altersstruktur von circa 60 Jahren im Durchschnitt, aber wir gehen das an und freuen uns, dass vor allem bei Veranstaltungen wie der Gala viele junge Helfer wie Konfirmanden oder Schüler der CWS dabei sind. Das sind wichtige Multiplikatoren zu den Eltern, denn da wird zu Hause drüber gesprochen.

Günther Klärner: Wir machen nichts Spektakuläres, sondern punkten damit, Gutes zu tun. Es erfüllt uns mit Befriedigung da helfen zu können, wo die Not am Größten ist. Es sind nicht die Betroffenen, die um Hilfe bitten, sondern gutherzige Menschen im Umfeld. Deswegen sind wir auch immer auf Menschen angewiesen, die uns aufmerksam machen. So können wir nachhaltig helfen. Bei uns gibt es keine aufsehenerregenden Aktionen, die schnell ins Leere laufen. Es macht auch einfach Spaß bei „Wir helfen“ dabei zu sein, wie man am Beispiel der ganzen Familie von Friedel und Bärbel Wörner sieht. Da ist Herzblut und totale Identifikation dabei. Man kommt mit völlig unterschiedlichen Menschen und Charakteren zusammen, aber am Ende geht es allen um die gleiche Sache.

Heike Anders: Es gilt auf dem bisher Geleisteten aufzubauen und weiter Leute zu finden, die Spaß daran haben zu helfen. Wir sind sehr bekannt im Usinger Land und freuen uns über die Hilfe vieler junger Mitstreiter. Aber wir wünschen uns auch, dass sie sich noch mehr aktiv einbringen. Unsere Mannschaft ist nicht sehr groß. Um unsere „Stille Hilfe“ leisten zu können, bei der wir ganz kurz innerhalb von ein paar Tagen entscheiden und eine Lösung finden müssen, muss man bekannt sein. Wir sind als Partner anerkannt. So hat sich auch das Verhältnis zu den Kirchen in den 25 Jahren weg von Konkurrenz hin zum Miteinander entwickelt. Auch der Politik ist bewusst, dass der Verein Dinge leistet, die sie nicht machen kann.

An was erinnert man sich mit Blick auf die vergangenen 25 Jahren sofort? Gibt es typische „Wir helfen-Geschichten“?

Wehner: Wir hatten 2009 das Catering bei fünf Jahre „Arche Noah“ übernommen und nicht gewusst, dass dort 500 Gäste erwartet wurden. Da mussten wir zu viert plötzlich Fließbandarbeit leisten. Wir haben das natürlich durchgezogen.

Klärner: Bei der Gala 2011 und dem Auftritt von Angelika Wiedl hatten wir spontan ihren Mann, der Sänger bei den „Schäfern“ ist, zum Auftritt auf die Bühne gebeten. Da durfte ich im Keller der Stadthalle ihr kleines Baby Gina im Arm halten und später die Windeln wechseln.

Anders: Wir hatten 1998 auch einmal einen Leoparden auf der Bühne und mit der Dompteurin waren alle möglichen Vorsichtsmaßnahmen wie Verdunkelung und absolute Stille abgesprochen. Erstaunt waren wir dann, als das Tier auf der Bühne eingeschlafen war.

Am meisten beeindrucken mich die älteren Menschen beim Seniorennachmittag, die uns häufig schon vor 25 Jahren als Gäste oder Helfer begleitet haben. Ihr Strahlen in den Augen und spontane Umarmungen machen warm ums Herz. Sie sind einfach glücklich und freuen sich schon auf nächstes Jahr. Das gilt aber auch für unsere jungen Helfer. Die sagen alle: „Wir sind 2015 wieder dabei.“

Quelle: Usinger Anzeiger vom 06.03.2015
Text und Foto: Andreas Romahn 

Advertisements
Hinterlasse einen Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s