Stimmgewaltig

2015_12_19

Chorleiter Peter Orloff (Mitte) und seine Schwarzmeer-Kosaken. Foto: Schwager

KONZERT Schwarzmeer-Kosaken
unter Leitung von Peter Orloff zugunsten von „Wir helfen“

NEU-ANSPACH – „Ein Chor, der singend betet und betend singt“. Unter diesem Motto trat der Schwarzmeer-Kosaken-Chor in der evangelischen Kirche auf. Eingeladen hatte der Verein „Wir helfen e.V. – Usinger Land“. Heidelore Wehner konnte im ausverkauften Haus 190 Zuhörer begrüßen. Stimmungsvoll mit Kerzen beleuchtet war der Altarraum und bereits eine halbe Stunde vor Konzertbeginn herrschte drangvolle Enge in der kleinen Kirche. „Dies ist unser drittes Konzert mit dem Chor“, sagte Wehner. Vor vier Jahren sei man mit dem Ensemble auch schon einmal in Grävenwiesbach gewesen. „Wir helfen Menschen in Not, insbesondere Kindern, und dazu gehen wir in die Familien und versuchen direkt vor Ort zu helfen“, stellte Wehner ihren Verein vor.

Dies würdigte auch gleich zu Beginn Peter Orloff, der Leiter des Chores. „Und sie haben hier auch eine sehr schöne Stimmung erzeugt, fast wie in Phantom der Oper.“ Die Schwarzmeer-Kosaken waren mit elf Sängern und einer Instrumentalistin gekommen. Irina Kripakova spielte die Domra, eine sehr kleine Gitarre mit bauchförmigem Korpus, und die beiden Sänger Slava Kripakov und Ilya Kurtev eine riesige Bassbalalaika mit drei Saiten sowie ein teilweise höchst virtuos eingesetztes Akkordeon.

Spontan, wie Orloff ankündigte, begann man für eine Dame, deren Mutter morgens gestorben war, mit einem Auszug aus einer Totenmesse. Auch im weiteren Verlauf des Konzertes wurden Gesang und Religion sehr eng verschränkt – Orloff nahm bei seinen Ansagen immer wieder darauf Bezug. So erklangen vertonte Gebete und Klagegesänge der russisch orthodoxen Kirche in dem evangelischen Gotteshaus – vielleicht ein Sinnbild für die universale Wirkung von Musik. Orloff, ein deutscher Schlagersänger und Komponist, der in den 60-er und 70-er Jahren seine größten Erfolge hatte, hat russische Wurzeln. Sein Vater Nicolai hatte den Chor mitgegründet und schon mit 14 Jahren durfte der Junior mit auf die Bühne. Es gibt mehrere Chöre der Kosaken, die im 15. Jahrhundert als Reitervölker in Russland und der Ukraine lebten – der berühmteste ist der der Don Kosaken.

„Eintönig klingt das Glöckchen, der Weg zieht sich staubig dahin“ – hier war Fjodor Kunitsky mit seinem strahlend hellen Sopran der Solist. Denn bei fast jedem Lied trat ein anderer Sänger aus dem Chor hervor und durfte sich solo beweisen. Stimmgewaltig sind sie alle, die Schwarzmeer-Kosaken, das wurde schnell klar. So füllte dieser manchmal fast schneidend wirkende Tenor problemlos den relativ kleinen Raum. Am spektakulärsten aber waren der Sopran Igor Ishchaks, der hoch bis ins Falsett reichte („Ave Maria“ von Franz Schubert) und der mächtige Bass des stellvertretenden Chorleiters Stefan Arininsky („Auf viele Jahre“ und „Abschlussgebet der russisch orthodoxen Liturgie“).

Durchgängig wurden die leiseren, mehr Sensibilität erfordernden Töne etwas vermisst – weite Passagen waren einfach viel zu laut, brachten aber besonders viel Beifall ein. Dabei sind es eigentlich gerade die piano bis pianissimo gesungenen Melodien, die so einen Chor besonders eindrucksvoll wirken lassen können. Bei „Die Legende von den zwölf Räubern“ und „Die Ballade vom Kosaken-Hauptmann Stenka Rasin“ konnte man auch Orloff als Solisten erleben, der seinen lauten Bariton mit vielen theatralischen, himmelwärts gerichteten Gesten unterlegte. Dirigiert wurde der Chor die meiste Zeit nicht vom Chorleiter, sondern dem mitsingenden Bariton Nasko Kirtscheff. Viele weitere Lieder – eine bunte Mischung – erklangen noch an dem Abend, auch solche aus berühmten Opern waren dabei. Beispielsweise der Gefangenenchor aus „Nabucco“ (Guiseppe Verdi). Aber mit dem weltberühmten „Schwanensee“ (Pjotr Tschaikowsky) war auch die Ballettmusik vertreten.

Quelle: Usinger Anzeiger vom 19.12.2015
Text und Foto: Horst-Walter Schwager

 

Schwarzmeerkosaken

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