Es ist ein großer Schritt…

02.09.2014 – „Es ist ein großer Schritt, um Hilfe zu bitten“

Die Armutsgrenze in Deutschland sinkt, aber nur wenige Organisationen haben sich die Hilfe in den „eigenen vier Wänden“ auf die Fahne geschrieben. Viele Spenden fließen ins Ausland – was gut und richtig sein kann. Ein Verein, der sich im Taunus etabliert hat und die Hilfe an Ort und Stelle einsetzt, ist „Wir helfen“. Warum? Das erklären Vize-Chef Günther Klärner und Sprecherin Heidelore Wehner im Gespräch mit Redakteur Andreas Burger.
Heidelore Wehner, Sprecherin des Vereins „Wir helfen“, . . .

Artikel 2014

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Heidelore Wehner,                                           . . . und der zweite Vorsitzende
Sprecherin des Vereins „Wir helfen“, . . .                Günther Klärner im Interview.
Fotos: Appel

 

Wo packt Ihr Verein im Usinger Land an?

WEHNER: Es geht um Menschen in Not, die Hilfe brauchen und nicht bekommen. Wenn die öffentliche Hand, Krankenkassen oder andere Hilfsquellen nicht mehr greifen, der Mensch aber dringend Unterstützung braucht. Viele unserer Klienten sind krank und so in die Notsituation geraten.

Wie sieht so etwas konkret aus. Geben Sie Geld?

KLÄRNER: Nie. Es gibt kein Bargeld. Eine Hilfe kann eine Fahrkarte sein, wenn das Kind in der Klinik liegt und die Mutter immer pendeln muss. Oder wenn es keine Waschmaschine gibt. Oder wir geben Gutscheine für Lebensmittel, aber Bargeld wird es nicht geben.

WEHNER: Wir versuchen, die Lebensqualität der Betroffenen zumindestens zu halten. Wir hatten einen Fall, bei dem ein Kind im Rollstuhl zu einer Betreuungseinrichtung wollte. Doch der Rollstuhl musste aufwendig zerlegt, ins Auto gebracht und in der Einrichtung wieder aufgebaut werden. Hier haben wir einen zweiten Rollstuhl gespendet.

Die Menschen melden sich und fragen nach Unterstützung – und wie geht’s dann weiter?

WEHNER: Zuerst prüfen wir die Bitte. Ist es wirklich nötig? Gibt es Möglichkeiten, andere Zuschüsse zu bekommen – kann etwa die Krankenkasse einspringen. Ist die Anfrage berechtigt, dann trifft sich der Vorstand – bei Eilfällen geht dies auch mal über eine E-Mail – und entscheidet. Danach wird geholfen.

Menschen in Not schämen sich oft, Hilfe zu benötigen . . .

WEHNER: . . . was ein großes Problem ist. Wir erhalten oft Informationen über Ärzte, Angehörige oder Nachbarn, dass ein Mensch in großer Not ist. Dann versuchen wir, Kontakt herzustellen. Manchmal mit Erfolg, manchmal nicht. Es ist ein großer Schritt, um Hilfe zu bitten.

Immer?

KLÄRNER: Nein, natürlich nicht. Viele Anfragen, die uns erreichen, lehnen wir gleich ab. Stromrechnungen etwa, oder Ansprüche, bei denen wir wissen, dass die Familien sie leisten könnten.

WEHNER: Wie bei einer Familie, die eine Rampe für einen Rollstuhl wollte – und diese nicht kaufen wollte, weil dann ein Teil des Urlaubsgeldes weg gewesen wäre. Wir helfen, wenn wirklich nichts mehr geht.

Was bedeutet dies in Zahlen. Wie oft, wie hoch sind die Spendensummen?

WEHNER: Insgesamt im Jahr zwischen 15 und 20 000 Euro. Diese werden bei der großen Gala unseres Vereins ausgeschüttet – auch nur in Form von Gutscheinen. Und dann sind es etwa sechs Direkthilfen, bei denen wir aktiv sind.

Die großen Ausschüttungen gehen an wen?

KLÄRNER: Geld erhalten die Kinder- und Jugendstationen der Uni-Kliniken in Gießen und Frankfurt, die Palliativ-Station in Frankfurt, deren Gründung wir angestoßen und mit 180 000 Euro angestoßen haben, die Behinderten Werkstätte „Florentine“ in Braunfels, die IB Behindertenhilfe Hochtaunus, die MS Selbsthilfegruppen in Usingen, Bad Homburg, Oberursel, Kronberg und Königstein, „Aufgetischt“ in Usingen, die Diakoniestation Usinger Land, den Förderverein Kreiskrankenhaus Usingen und das Hospiz „Arche Noah“ in Niederreifenberg.

Woher kommt das Geld?

KLÄRNER: Zum einen durch die Mitgliedsbeiträge der 183 Mitglieder des Vereins, etwa 5000 Euro im Jahr. Hauptsächlich aber durch die Spenden von Firmen, von Spenden aus Privatkassen, durch Geburtstagsfeiern und natürlich durch die große Gala.

Immer mehr Spendenaktionen sind fürs Ausland. Wie sehen Sie dies? Konkurrenz?

WEHNER: Ja und nein. Natürlich sind Auslandshilfen berechtigt und wichtig. Aber die Armutsgrenze in Deutschland sinkt, vielleicht sollte darauf mehr Augenmerk gerichtet werden.

KLÄRNER: Wir wollen keine Konkurrenzsituation. Aber es gibt gerade für Auslandshilfen große Hilfsorganisationen, für die heimische Armut sind aber kaum Hilfen vorhanden. Hier bräuchten wir Unterstützung.

Wie kann dies konkret aussehen?

WEHNER: Natürlich durch Spenden. Aber auch durch direkte Hilfen – bei Fahrdiensten, bei der Gala, Thekendienst beim Schlacht- und Sommerfest der IB-Behindertenhilfe, bei Auf- und Abbauten bei Festen, mit Kuchen- und Salatspenden oder durch handwerkliche Arbeiten.

KLÄRNER: Eine Hilfe ist etwa das Hofkonzert in Weilrod. Professor Dr. Horst Seibert unterstützt uns seit vielen Jahren.

Sind die Spenden stets auf gleichem Niveau?

WEHNER: Bei weitem nicht. Die Spendenbereitschaft sinkt stetig. Natürlich haben oft Firmen Probleme. Gerade deshalb wären wir froh, wenn es durch Privatpersonen mehr Unterstützung gäbe.

Wer den Verein unterstützen möchte, kann sich an Heidelore Wehner wenden – entweder per E-Mail an heiweh@freenet.de oder direkt per Telefon unter (0 60 81) 4 24 42.

Quelle: Höchster Kreisblatt

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